Kroation - Dalmatien - Agana
Mit einem ESA Physiker kann es auch spannend werden
Kroatien 2024 – Ein Bericht
Im Mai 2024 war ich mit einem Investmentbanker, einem ITler und einem „Raketentechniker“ der ESA zwei Wochen auf einer Jeanneau Sun Odyssey 47 (Sunsail, „Juliessa“) ab Marina Agana unterwegs. Der folgende Bericht basiert auf den Logbucheinträgen unseres „Bordphysikers“ – ergänzt um ein paar Dinge, die darin fehlen: hitzige politische Debatten über Krieg und Frieden, den Sternenhimmel und die ISS, Winston-Churchill-Zitate, nächtliche Louis & Ella-Sessions im Cockpit und eine nicht näher zu beziffernde Menge leerer Weinflaschen.
Boot, Crew & Revier
- Boot: Sunsail-Jeanneau 47 „Juliessa“
- Ausgangshafen: Marina Agana (bei Split)
- Crew: Investmentbanker, ITler, ESA-„Raketentechniker“ (Bordphysiker) & ich als Skipper
- Revier: Mittlere Adria – Šibenik, Krka, Vis, Korčula, Lastovo, Hvar, Šolta, Trogir
Törnverlauf – Tag für Tag (kompakt)
18.05. – Ankommen
- Bootsübergabe in Marina Agana, alles ruhig, erste Nacht an Bord.
19.05. – Eingrooven
- 11:00 Ablegen mit Bugstrahlruder, ruhiges Manöver unter Motor.
- Leichtwind, Kreuzen nach NW, Wind aus SW.
- Ankern in Uvala Borovica bei Razanj, Landleinen.
- ca. 15 sm.
20.05. – Bimsstein & Prognose „mehr Wind“
- 10:00 Anker auf, weiter nach NW bei leichten Winden.
- Ankern auf Kaprije, Uvala Vela Nozdra.
- Beim Spaziergang: Bimsstein gefunden (schwimmt im Wasser).
- Nudeln mit Tomatensoße & Thunfischsalat.
- Wettervorhersage: „Mehr Wind. Viel mehr Wind.“
- ca. 16 sm.
21.05. – Starkwind & Krka-Fluss
- Morgens BF 5, in Böen 6, teils bis 35 kn.
- Anker auf, unter Maschine gegenan, das Boot kommt kaum vorwärts.
- In Lee einer Insel nur Genua, kein Groß.
- Enge Inseldurchfahrt, dann ruhigeres Wasser Richtung Festland.
- Durchfahrt nach Šibenik, großer Naturhafen, alte Siedlungsregion.
- Mittags ankern in einer Bucht, später weiter flussaufwärts.
- Abends Anker in ruhiger Flussbucht, nachts zwei Gewitter.
- Essen: Reis, Linsen, Gemüsesuppe mit Fleischeinlage.
- ca. 25 sm.
22.05. – Raketenphysik & Boje vor Tijat
- Bordphysiker-Frage: „Wie hoch fliegt eigentlich Franks Modellrakete?“ → erste Berechnungen an Bord.
- 09:40 Anker auf, weiter stromaufwärts zur Marina – zu teuer, also weiter zur Konoba Vidrovača.
- Mittagessen, Fachgespräch über Spinnaker-Handling.
- Am Nachmittag bei gutem Wind: wir überholen einen Katamaran.
- 19:00 An Boje vor Tijat, Kosten 42 €.
- Abends überraschender Polizeibesuch – völlig problemlos.
- Kartoffeln mit drei Dips.
- ca. 15 sm.
23.05. – Thermik, Regatta & Vis
- 10:15 Kurs SO.
- Ab Mittag schöner thermischer Wind, im Rücken eine slowenische Regatta (mit flaggenbedingten Assoziationen).
- Über dem Festland bauen sich heftige Wolken auf.
- Letzte 5 sm nach Komiza (Vis) unter Motor, Boje, weil Hafen voll.
- Einkaufen an Land, weiter Raketenberechnungen im Cockpit.
- ca. 44 sm.
24.05. – Kein Wind & lange Motorstrecke
- 10:00 Boje los, kurz an den Pier zum Wasserfassen (22 €).
- 12:20 Ablegen, sauberes Eindampfen über Heckspring.
- Ziel: Korčula.
- Kaum aus dem Hafen: Wind weg.
- Lange Motorfahrt mit Raketenphysik als Unterhaltung.
- 20:20 Ankern nördlich von Vela Luka.
- ca. 42 sm.
25.05. – Lastovo & Inselenergie
- 11:00 Anker auf, Ziel Lastovo.
- 13:30 Ankern vor Konoba Livia: alte Armee-Baracken, heute touristisch genutzt.
- Inselstrom: Photovoltaik, Speicher, Generator – autarkes Setup.
- 15:00 Verholen an den Kai, abends gutes Essen.
- ca. 15 sm, Zwischensumme für Marin (Bordphysiker): 172 sm.
26.05. – Abschied & Naturbucht
- 06:00 Mitsegler M. geht von Bord – Urlaub vorbei.
- Zum Einkaufen nach Luka Ubli (Landgang per Bug/Heck-Transfer).
- 13:30 Ankern im Naturschutzgebiet Skrivena Luka (Lastovo), Gebühr 40 €.
- ca. 35 sm.
27.05. – Zurück nach Korčula
- Bei wenig Wind unter Motor nach NO, Ziel Korčula.
- Ankern in einer Bucht am SO-Ende von Korčula.
- Später kommt Wind – leider zu spät zum Segeln.
- Verholen nach Javic (nördlich Lumbarda), Korčula.
- ca. 30 sm.
28.05. – Regen, Doppelregenbogen & teure Bojen
- 10:00 Anker auf, Ziel Mostir auf Šćedro.
- Wieder kein Wind, Motor.
- Dann: Schauer, Blitze, Regenbogen – sogar zweiter Ordnung mit umgekehrter Farbreihenfolge.
- Bojenbetreiber wollen viel zu viel Geld, wir lehnen ab.
- Ankern frei bei ruhigem Wetter – mit Bojen verdient man gut, aber ohne uns.
- ca. 25 sm.
29.05. – Hvar & teures Hotel im Hintergrund
- Ruhige Nacht, 10:00 Anker auf, Richtung Hvar.
- Wieder wenig Wind, später starke Winde und Gewitterzellen über Land.
- Erst Ankerbucht Pelregrinska, dann Verholen in die Bucht Markova.
- Am Ende der Bucht teures Hotel mit aufmerksamem Wachmann, aber ruhige Nacht.
- ca. 20 sm.
30.05. – Zwischen Brač und Šolta
- 10:00 Anker auf, Kurs NNO durch die Passage zwischen Brač und Šolta.
- Tankstopp in Milna (Šolta) geplant, aber Warteschlange zu lang.
- Weiter entlang der Nordküste Šoltas.
- Ankern in Kasjun an der Nordseite von Šolta, ruhige Nacht.
- ca. 28 sm.
31.05. – Langer Schlag & enge Begegnung
- Verholen nach Rogač zum Einkaufen, eleganter Hecktransfer durch den Skipper.
- Schöner SO-Wind, Versuch, einen Kat in Luv zu überholen – der dreht ab, will nicht überholt werden.
- Wegen des guten Windes direkt durch nach Trogir / Seget Donji.
- Gefahrenkardinalzeichen sauber an Backbord gelassen.
- Enge Begegnung mit einem Segler in Lee, wir ausweichpflichtig, Kollision knapp vermieden.
- Tanken in der Marina Navigare, anschließend Ankern in Bucht Buraline.
- Wind frischt stark auf, es wird eine unruhige Nacht.
- ca. 25 sm.
01.06. – Starkwind & Manöver-Highlight
- Nachts kräftiger Wind, Böen, Regen – aber Anker hält.
- 16–20 kn Wind, Backbord-Windanzeige fällt aus.
- Trotz Reff 1 im Groß läuft die „Juliessa“ wie ein Rennpferd.
- Wegen angekündigtem Mehrwind Genua gerefft.
- Vor dem Hafen intensives Rückwärtsfahr-Training bei Starkwind.
- Anlegen wird anspruchsvoll: genaues Steuern, keine Fehler.
- Erster Anlauf auf falschen Platz, rechtzeitig bemerkt, zweiter Anlauf perfekt.
- Für unseren Bordphysiker der Höhepunkt der Reise.
- ca. 20 sm.
02.06. – Aufräumen & Abschied
- „Vernichtung der Vorräte“ und Abschiedsprozedere.
Was im Logbuch fehlt – aber zum Törn gehört
Zwischen all den sm-Angaben, Ankerbuchten und Gewitterzellen fehlten im Logbuch ein paar entscheidende Details:
- Politische Diskussionen an Deck über Krieg, Frieden, Europa und die große Weltlage.
- Nächte im Cockpit mit Sternenhimmel, Sicht auf die ISS, Fachsimpeleien mit dem ESA-Mann.
- Winston-Churchill-Zitate, wenn der Weinpegel stieg.
- Louis Armstrong & Ella Fitzgerald aus der Box, während das Boot in einer dunklen Bucht im Schwell lag.
- Und natürlich: eine beachtliche Sammlung leerer Weinflaschen, die niemand so genau gezählt hat.
Fazit: Bitte keinen Profi-Skipper
Auf der Rückfahrt im Bus nach Trogir trafen wir einen Segler, der sich heftig über seinen „Profi-Skipper“ beschwerte:
- Jede Nacht an teurer Boje
- Jeden Abend in die Konoba
- Viel Motor, wenig Segel
Sein Fazit: So stelle er sich das nicht vor.
Mein Fazit (und das des Bordphysikers):
Bloß keinen „Profi-Skipper“ – sondern bitte Frank R. aus N. an der P.