Kroatien - Dubrovnik

Wie man in Kroatien mal schnell im Knast landet, wobei es eher ein deutsches Problem gab.

Wie man unvermutet im Knast landet

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in deutscher Behördenlogik

Es gibt Länder, in denen man Angst vor Korruption, Kriminalität oder Bürgerkrieg haben muss. Und dann gibt es Deutschland – da reicht eine Einladung zum Segeln, und du landest mit einer 18-Jährigen beinahe im Knast. Ganz ohne Tat, nur mit Visum.


Level 1: Willkommen im Land der „Fachkräfte“-Logik

Die Ausgangslage:

ist natürlich hochgradig verdächtig. Man weiß ja nie, ob sie nicht heimlich in Europa arbeiten oder – noch schlimmer – unser Sonnenblumenöl aus dem Supermarkt entwenden möchte.

Die Cousine meiner Frau, nennen wir sie T., sollte einfach mit uns in Kroatien segeln gehen. Eine harmlose Urlaubs-Idee – in Deutschland automatisch ein Behörden-Härtetest.


Level 2: Visum? Nur mit Vollkasko-Ruin für den Einladenden

Ein Schengen-Visum braucht man. Ein Antrag allein reicht natürlich nicht. Es folgt das übliche Programm:

T. fliegt von Florida zur deutschen Vertretung in Miami, übergibt alle Unterlagen. Ergebnis: Kein Visum.

Begründung:

„Sie brauchen eine Verpflichtungserklärung.“

Klingt harmlos, ist aber die juristische Version von:

„Bitte unterschreiben Sie hier Ihre potentielle Privatinsolvenz.“

Die Verpflichtungserklärung bedeutet:

Mit komplettem Vermögen. Wird jemand schwer krank, in Haft genommen oder sonst wie teuer – Pech. Lebenswerk weg, Haus weg, alles weg.

Kein normaler Mensch würde so etwas unterschreiben. Also habe ich natürlich unterschrieben.


Level 3: „Verpfänden Sie doch Ihr Haus.“

Termin bei der Ausländerbehörde. Ich erscheine brav, aber mit einem Problem:

Die Reaktion:

„Ja, so geht das nicht. Dann müssen Sie eben Ihr Haus verpfänden. Holen Sie schon mal die Grundbuchauszüge.“

Ich frage freundlich nach:

„Würde ein Kontoauszug mit einem deutlich fünfstelligen Guthaben nicht genügen?“

Antwort:

„Nein. Das könnten Sie ja morgen im Casino verzocken.“

Stimmt. Genauso gut könnte auch eine Atombombe aufs Haus fallen – aber die taucht in keiner Vorschrift auf, also ist sie irrelevant.

Ich frage, ob es irgendeine andere Möglichkeit gibt, um die geforderten Fantasiemillionen auf dem Papier abzusichern.

Es gibt eine. Natürlich eine noch absurdere:


Level 4: 5.000-Euro-Sparbuch – die symbolische Sicherheitsattrappe

Die Alternative:

Ein Sparbuch zugunsten der Ausländerbehörde, mit „Sicherheitssumme“: 5.000 Euro.

Das ist:

Probleme:

Also zur Sparkasse. Dort, nach etwas Kniefall und vermutlich nur mit unterschwelliger Androhung, dass ich sonst bleibe, bis sie nachgeben, wird ein Sparbuch eröffnet. Natürlich nur, wenn man noch andere Produkte mit abschließt. Nichts ist umsonst.

In letzter Minute bekommen wir:

Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn die Sache jetzt einfach wäre.


Level 5: Digitalisierung auf Behördendeutsch: FedEx

Man könnte meinen:

Nein.

„Sie müssen das selber schicken.“

Also:

Behördenkommunikation im Jahr 202X: Berittene Botendienste mit DHL-Emulation.


Level 6: Visum erteilt – aber nur auf Papier

Das Wunder geschieht: T. bekommt ein Visum für 3 Monate.

Die Einreise nach Europa:

Flug nach Kroatien, Route:

In Leipzig:

In Wien:

In Dubrovnik:

„Das ist ein D-Visum!“

Ich: „Und?“

Erklärung:

Kurzfassung der Logik:

Ergebnis:

Und das nach:

Niemand, wirklich niemand, hat vorher gesagt:

„Übrigens, mit diesem Visum ist die Praxis etwas tricky, vor allem, wenn Sie noch nach Kroatien wollen.“


Level 7: 5 Minuten für die Entscheidung – dann Knast

Die Lösung der Grenzbeamten lautet:

„T. muss sofort wieder zurück über die Grenze, damit sie als nicht eingereist gilt und sozusagen nie hier gewesen ist.“

Wir bekommen 5 Minuten Zeit, zu entscheiden:

  1. Entweder wir fliegen alle zusammen zurück.
  2. Oder T. fliegt allein, wir bleiben in Dubrovnik.

Frage:

Oder bleibt man als Familie zusammen?

Natürlich wollen wir zusammen zurück.

Dummerweise brauchen wir für:

6 Minuten.

Eine Minute zu viel.

Die Entscheidung der Behörden:

„Der Flieger ist voll. Heute fliegt niemand mehr.“

Neue Auswahl:

  1. Wir alle übernachten in der Zelle.
  2. Nur T. übernachtet in der Zelle, wir gehen ins Hotel.

Wer selbst eingesperrt ist, kann gar nichts mehr tun. Also bleibt nur:

T. wird tatsächlich eingespart – „Gewahrsam zu Sicherungszwecken“, natürlich ganz legal.

Kontakt?

Segelurlaub in Kroatien? Stattdessen: Gefängnisbesuch light.


Level 8: Rücktransport wie eine Straftäterin

Die Rückreise:

Meine Frau sieht sie erst in Wien wieder. Familienurlaub, europäische Werte-Edition.

Austrian Airlines (Spoiler: „Dieser Sauhaufen bekommt noch einen eigenen Artikel“) nutzt die Gelegenheit:


Schlussbild: Willkommen in Europa

Am Ende steht:

Und trotzdem:

„Wir trauen euch nicht. Egal, welche Dokumente Ihr habt.“

Als jemand, der nicht aus Europa kommt, kann man da nur den Kopf schütteln.

Vielleicht versuchen wir es das nächste Mal wirklich als „Fachkraft“:

Dann läuft es womöglich wie geschmiert. Ganz ohne Sparbuch, ohne FedEx, ohne Verpflichtungserklärung – und ganz sicher: ohne Zelle in Dubrovnik.