Dufour 44 - Bitte nie wieder
Warum macht Sunsail so etwas?
Dufour 44 – Odyssee in der Sonne
Ein Review von Frank Richter – Berichte, Hobby, Reisen, Segeln
Es gibt diese Momente, in denen man merkt, dass man nicht mehr Kunde, sondern unbezahlter Betatester ist. Bei mir war das der Tag, an dem Sunsail / Moorings mir begeistert eröffnete: „Sie sind die allerersten Gäste auf diesem brandneuen Boot!“
Es war eine Dufour / Moorings 44.3 – und später, in der nächsten Saison, stand ich wieder auf einer Dufour 44. „Dufour Déjà-vu“ trifft es ganz gut. Fabrikneu hieß im ersten Fall eher „unfertig“, in der zweiten Saison dann immerhin: „Katalogschönheit mit Erfahrungsschaden“.
Design & Ergonomie – schön fürs Prospekt, fragwürdig für See
Auf den ersten Blick ist die Dufour 44 ein hübsches Boot. Schlanke Linien, moderner Riss, alles wirkt wie aus einem Hochglanzkatalog. Spätestens im Cockpit merkt man, für wen sie gebaut wurde: für Fotografen, nicht für Segler.
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Der Cockpittisch ist eine eigene Episode:
- Beim neuen Boot braucht man zwei Personen, um ihn zu bedienen.
- Bei der „gereiften“ Dufour stehen die Klappflügel mit etwa 10° Gefälle – ein Glas Wein abzustellen ist Glücksspiel, und der erste Schwell gewinnt zuverlässig.
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Beleuchtung im Cockpit? Praktisch nicht vorhanden. Am Ende ist das fast konsequent: Wenn man nachts sowieso nichts sieht, benutzt man den wackeligen Tisch einfach nicht.
Innen geht es weiter:
- Ablagen ohne Rutschkanten über den Schwalbennestern – als hätte noch nie jemand an Krängung gedacht.
- Türen, die sich nur schließen, wenn man es gerade nicht möchte.
- Deckenpaneele, die mit billigen Plastik-Snap-Ins und Klettband „gehalten“ werden – und nachts gern mal herunterkommen.
Ergonomie am Steuer:
- Fingerklemmer-Potenzial zwischen Steuerrad und Plotter.
- Schwarze Instrumentenflächen, die sich in der Sonne so aufheizen, dass man darauf fast Spiegeleier braten könnte.
Das Bimini ist dann der ergonomische Endgegner: Nicht zu öffnen, kein Sichtfenster – genau beim Segelsetzen sieht man nach oben: nichts.
Wasser, Elektrik & Technik – Systeme ohne Wirkung
Watermaker & Tanks
Beide Dufour-Erlebnisse litten an derselben Grundkrankheit:
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Zu wenig Wassertank (z. B. 200 l)
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Ein Watermaker, der theoretisch das Problem lösen sollte – praktisch aber:
- leckt,
- oder tut so, als spüle er, produziert aber kein Wasser.
Lösung im Karibik-Fall: Fünf Kanister am Seezaun. Dekorativ, aber nicht genau das, was man unter „komfortablem Cruisen“ versteht.
In Kroatien: Ein Tank – leer. Kein zweiter Tank. Ergebnis: sehr schnell Ebbe im Schiff.
Generator & Strom
Der Generator ist auf beiden Booten nominell vorhanden – nur nicht als Lösung.
- Geräuschkulisse wie auf einer Startbahn.
- Ladestrom: lächerliche 4 Ampere, durch Victron begrenzt.
- Solarpanels: praktisch wirkungslos.
Im heißen Revier bedeutet das:
- Täglich stundenlang Generator + Maschine laufen lassen (Doppelhölle),
- nur um den Kühlschrank zu betreiben und einen Raum unter 40 °C zu bekommen.
Komfort & Klima – Schwitzkasten de luxe
Die Dufour 44 / Moorings 44.3 ist, was Temperatur angeht, eine Mischung aus Sauna und Backofen:
- Klimaanlage, die nur einen Raum gleichzeitig kühlen kann.
- Keine Ventilatoren – konsequent wegrationalisiert.
Bei 40–45 °C unter Deck wird jede Nacht zur Aushalteübung. Ich bin mit einem Ventilator normalerweise zufrieden – wenn der dann auch noch fehlt, werde ich unangenehm. Das Boot auch.
Sanitär & Dusche – Eimer statt Pumpe
Zur Abrundung des Komforts:
- Duschpumpe, die nicht abpumpt.
- Die Pumpe läuft zwar, aber trocken – Schutzschaltungen? Fehlanzeige.
- Lösung: Lappen und Eimer.
Es sind genau diese Details, die zeigen, dass das Boot eher in der Excel-Liste des Produktmanagers funktioniert als in der Realität eines Törns.
Sicherheit – optional buchbar?
Ein paar Highlights aus der Rubrik „Sicherheit“:
- Extra gebuchtes Relingsnetz für ein Kleinkind an Bord – unbrauchbar, weil die Ausgänge sich nicht schließen lassen (Stahlseile zu kurz oder zu lang).
- Ankerlicht nicht vorhanden oder defekt. Vorschlag eines Technikers: „Ankerlichter sind nur wichtig, wo Flugzeuge landen. Kabinenlicht ist viel effektiver.“
Kreative Alternativen:
- defektes Deckslicht,
- defektes Motorlicht,
- Kabinenlicht,
- Taschenlampe.
Dazu Moskitonetze, die nicht funktionieren:
- Entweder schwitzen bei geschlossenen Luken
- oder 121 Mückenstiche sammeln. Immerhin: In Kroatien (noch) kein Denguefieber.
Segeln – wenn es mal läuft
Und jetzt das Erstaunliche: Wenn sie segelt, segelt die Dufour 44 gar nicht schlecht.
- Bei Druck im Tuch läuft der Rumpf ordentlich.
- Mit Reff und etwas Gefühl am Ruder kann sie richtig Spaß machen.
Aber:
- Elektrische Winschen, deren Sicherungen ständig fliegen.
- Plotter ungünstig platziert.
- Sicht nach oben blockiert.
Also doch wieder: Kurbel raus, Handarbeit, Improvisation. Zum Glück bin ich Mann genug, um noch an einer Winsch drehen zu können.
Sunsail / Moorings – zwischen Beta-Test-Hölle & Rettung am Steg
Fairnesshalber:
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Sunsail & Moorings haben uns mehrfach de facto in die Beta-Test-Hölle geschickt.
- Fabrikneues Boot mit Schrauben und Muttern lose an Deck.
- Unbeschriftete Sicherungen – russisches Roulette am Panel.
- Unfertige Systeme, die erst im Kundeneinsatz „reifen“ dürfen.
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Aber: Die Sunsail-Crew in Dubrovnik hat wirklich alles gegeben: Freundlich, bemüht, improvisationsstark. Zwischen Übergaben im Minutentakt haben sie das Boot so weit flottgemacht, dass wir überhaupt lossegeln konnten. Ohne sie wäre die Odyssee wahrscheinlich schon am Steg gescheitert.
Fazit – Abenteuer statt Urlaub
Die Dufour 44 / Moorings 44.3 ist kein reines Urlaubsboot – sie ist ein Erlebnisformat:
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Jeder Tag eine neue Frage:
- Welche Sicherung fliegt heute?
- Welches Paneel fällt als nächstes von der Decke?
- Reicht das Wasser noch bis morgen?
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Man schwitzt, flucht, lacht, improvisiert – und segelt am Ende trotzdem.
Mein persönliches Fazit:
- Optik: top für Kataloge.
- Detailqualität & Praxis: oft enttäuschend.
- Crew vor Ort: rettet, was zu retten ist.
Beim nächsten Mal? Ich nehme lieber wieder eine bewährte Sun Odyssey von Jeanneau. Ob es Sunsail / Moorings in den nächsten Jahren sein wird – das muss ich mir gut überlegen.