Seychellen - immer wieder

Seychellen - Es gibt Urlaube, die sind schön. Und es gibt Urlaube, bei denen du später beim Geruch von Holzkohle sofort wieder Salz auf der Haut spürst.

14 Tage Seychellen unter Segeln – Cat, Kind & Kino-Sonnenuntergänge

Es gibt Urlaube, die sind schön. Und es gibt Urlaube, bei denen du später beim Geruch von Holzkohle sofort wieder Salz auf der Haut spürst. Die Seychellen waren für uns genau so einer: 14 Tage auf einem Katamaran, einmal um Mahé herum, rüber nach Praslin und La Digue, Inselhüpfen, ankern, schnorcheln, fischen – und zwischendrin dieses Gefühl, als hätte jemand die Farbe „Azur“ erfunden und dann zu großzügig verwendet.

Wir waren zu dritt: ich, meine attraktive kenianische Frau (die Sonne hat sie eher geküsst als gebrannt) – und unser fünfjähriges gemixtes Kind, das schwimmt wie andere laufen. Auf einem Katamaran ist das Gold wert: viel Platz, wenig Rollen, und du hast immer eine sichere „Terrasse“ über dem Wasser.


Tag 1 – Mahé: Ankommen, klar machen, loslassen

Mahé begrüßt dich nicht leise. Mahé ist sofort da: feuchtwarm, fruchtig, ein bisschen nach Diesel am Hafen – und dann wieder nach Vanille, sobald du zwei Straßen weiter bist. Wir übernehmen den Katamaran, verstauen gefühlt die Hälfte eines Supermarkts und machen das, was alle am ersten Tag machen: zu viel planen und zu wenig schlafen.

Unser Kind findet noch vor dem ersten Auslaufen zwei Dinge:

  1. den letzten Gecko im Cockpit (offiziell „Günther“ getauft)
  2. die Regel, dass man nur dann ins Wasser darf, wenn ein Erwachsener „bereit“ ist – und testet diese Regel ungefähr zwölfmal.

Abends ankern wir halbwegs geschützt, einfach um anzukommen. Das Wasser ist so klar, dass es unfair wirkt. Als hätte jemand bei der Transparenz geschummelt.


Tag 2 – Einmal um Mahé: Küste wie aus einem Werbefilm, aber echt

Wir umrunden Mahé in Etappen. Manchmal segeln wir richtig, manchmal motoren wir, weil Wind eben nicht immer Instagram-kompatibel ist. Die Küste wechselt ständig: Granitfelsen, die aussehen, als hätte ein Riese Murmeln fallen lassen, dann wieder Strände, die sich wie gemalt in die Buchten legen.

Am Nachmittag stoppen wir in einer ruhigen Bucht. Unser Kind springt rein wie ein Profi – Maske auf, Flossen an, kurz Luft holen, los. Ich denke noch: Wenn das so weitergeht, kriegt das Kind am Ende den Bootsschein und wir sitzen hinten.

Beim Schnorcheln: Fische ohne Ende. Nicht „ein paar bunte“, sondern wirklich Schwärme, als hätte jemand eine Aquarium-Funktion aktiviert. Wir sehen Schildkröten, die so gelassen sind, als hätten sie einen Terminplaner. Und weiter draußen: Haie. Nicht dramatisch, eher „Presence“. Man spürt nur: hier ist Meer, nicht Badewanne.


Tag 3 – Der erste Fang: primitive Mittel, maximaler Erfolg

Ich liebe dieses Gefühl, wenn du mit einfachen Mitteln etwas auf den Tisch bringst. Kein Hightech, keine Show. Nur Meer, Geduld, ein bisschen Erfahrung und Glück.

Wir fangen an diesem Tag so viel, dass es fast albern ist. „Fisch ohne Ende“ klingt immer nach Übertreibung – bis du es erlebst. Meine Frau filetiert mit einer Selbstverständlichkeit, bei der ich mich kurz frage, ob ich in meinem Leben überhaupt schon mal richtig geschnitten habe.

Abends grillen wir am Heck – eine improvisierte „Küche“, Wind im Gesicht, Kohle glimmt, und über uns dieser Himmel, der langsam ins Orange kippt. Unser Kind isst, bis es still wird – und Stille bei einem Fünfjährigen ist ein Ereignis.


Tag 4 – Praslin: Palmen, Postkarten und ein Strand nur für uns

Praslin wirkt wie „Seychellen in konzentriert“. Breite Buchten, Palmen, diese ruhige, satte Natur. Wir ankern so, dass wir morgens direkt ins Wasser können – keine Boote, kein Lärm, nur das leise Klacken von Tauwerk und das Rascheln der Palmen.

Wir fahren mit dem Dinghy an einen Strand, der aussieht, als sei er nur dafür gebaut worden, dass Menschen dort Fotos machen. Nur: es ist niemand da. Wirklich niemand. Kein Handtuch, kein Schirm, keine Musik aus einem Bluetooth-Lautsprecher.

Und dann machen wir genau das: Fotoshooting.
Meine Frau barfuß im Sand, Haare vom Wind durcheinander, dieses Licht kurz vor dem späten Nachmittag, das alles weicher macht. Unser Kind rennt durchs Bild, lacht, macht Seesterne in den Sand und ruft: „Papa! Da ist noch ein Günther!“ – und zeigt auf einen Gecko, der tatsächlich so aussieht, als hätte er sich freiwillig für die Rolle beworben.


Tag 5 – La Digue: Fahrräder, Felsen und ein Moment, der hängen bleibt

La Digue ist dieser Ort, an dem du merkst: Inselzeit ist real. Alles ist langsamer. Die Leute wirken, als hätten sie beschlossen, Stress einfach nicht zu importieren. Wir leihen Fahrräder, weil man das so macht – und weil es wirklich passt.

Wir rollen über kleine Wege, links und rechts tropisches Grün, immer wieder Öffnungen mit Blick aufs Meer. An einem Punkt stehen wir da, schauen auf diese berühmten Felsen und denken gleichzeitig: Okay. Ja. Das ist wirklich so.

Am Nachmittag sehen wir Delfine, die unseren Bug kurz begleiten – ein kleiner, freundlicher „Hallo“-Moment. Unser Kind winkt. Ich schwöre, einer von den Delfinen hat zurückgewinkt. Natürlich hat er nicht. Aber in dem Augenblick war es sicher.


Tag 6 – Die Sache mit den Menschen: satt, freundlich, und doch harte Kanten

Was uns auffällt: Die Einheimischen kaufen oft dort, wo auch die Touristen kaufen. Nicht immer, aber häufig. Es wirkt nicht wie ein Land, in dem Geld nur in einer Ecke liegt. Gleichzeitig sieht man manchmal Armut – und wenn, dann trifft sie dich wie ein Schlag. Nicht „romantisch arm“, sondern hart.

Und ja: Viele Menschen wirken überernährt. Besonders Frauen fallen auf – oft extrem. Das steht im krassen Kontrast zu dieser Natur, diesem „frischen“ Gefühl, das du als Besucher hast. Man merkt: Inseln sind komplex. Importiertes Essen, viel Zucker, veränderte Lebensweisen – das Paradies hat seine eigenen Widersprüche.


Tag 7 – Ein Sturm, der keiner sein wollte

Der Wetterbericht (der auf Inseln gern mal ein Vorschlag ist) deutet etwas Unruhe an. Wir machen alles ordentlich: Ankercheck, Beiboot hoch, lose Sachen sichern. Am Ende ist es kein Sturm, eher eine unruhige Nacht.

Aber in dieser Nacht passiert die beste Anekdote der Reise:
Unser Kind wacht auf, kommt ins Cockpit, schaut ernst in die Dunkelheit und sagt: „Papa, das Meer atmet laut.“
Ich antworte irgendwas Pädagogisches – aber innerlich denke ich: Ja. Genau so.


Tag 8 – Der perfekte Tag: nichts Besonderes, und genau deshalb perfekt

Manchmal sind es nicht die Highlights. Es ist ein Tag ohne Programm:

Geckos klackern irgendwo, als würden sie applaudieren. Und unser Kind schläft ein, als hätte es einen Marathon gewonnen.


Tag 9 – Schildkröte auf Augenhöhe

Beim Schnorcheln sehen wir eine große Schildkröte. Ich tauche langsam, halte Abstand. Unser Kind ist völlig ruhig, schwebt daneben und schaut einfach nur. Keine Angst, kein Gezappel. Nur Blickkontakt.

Später sagt es: „Die war alt. Aber nett.“
Und ich denke: Wenn mein Kind in fünf Jahren solche Sätze normal findet, habe ich als Vater irgendwas richtig gemacht.


Tag 10 – Haie, aber ohne Drama

Wir sehen wieder Haie. Nicht in Ufernähe, eher da draußen, wo das Blau dunkler wird. Ein, zwei, vielleicht drei. Elegant, völlig uninteressiert an uns. Trotzdem spürst du den Respekt.

Meine Frau sagt trocken: „Die sind hier zuhause.“
Und damit ist alles gesagt. Du bist Gast. Das ist nicht dein Schwimmbad.


Tag 11 – Ein Strand, ein Grill, ein Foto, das nach Salz schmeckt

Wir finden noch einen Strand, wieder leer. Wir machen wieder Fotos. Nicht geschniegelt, nicht „Model“, eher echt. Sand an den Füßen, Sonnencreme-Fingerabdrücke auf der Kamera, Haare, die machen was sie wollen.

Wir grillen am Abend. Fisch, wieder. Aber anders: diesmal mit einer improvisierten Marinade aus Limette, Knoblauch, ein bisschen Chili, und dem, was man eben so hat. Der Rauch zieht nach hinten, die Sonne sinkt, und die Welt ist so still, dass man den Ankerwind hören kann.


Tag 12 – Menschen, Märkte, Normalität

Wir gehen an Land, kaufen ein. Es wirkt normal: Leute stehen an, Kinder lachen, jemand trägt eine Kiste, irgendwo läuft Musik. Keine Kulisse für Touristen – einfach Alltag.

Es bestätigt unseren Eindruck: Armut ist nicht überall sichtbar. Aber sie existiert. Und wie so oft sind die Unterschiede nicht gleichmäßig verteilt, sondern konzentriert.


Tag 13 – Der Abschied kommt leise

Am vorletzten Tag spürt man es: Man schaut länger hin. Man speichert Geräusche, Gerüche, Farben. Unser Kind sammelt Muscheln, als müsste es Beweise mitnehmen. Meine Frau sitzt am Bug, lässt die Hand durchs Wasser gleiten und sagt: „Das ist die echte Ruhe.“

Wir reden darüber, was wir erzählen werden, wenn wir wieder zuhause sind. Und wissen schon: Niemand wird das Blau glauben.


Tag 14 – Zurück nach Mahé: Hafenlärm, aber Herz noch auf See

Die Rückkehr ist immer ein kleiner Bruch. Der Hafen ist laut, alles ist plötzlich „Organisation“. Abgabe, Listen, Tank, Formalitäten. Und doch: wir sind erfüllt.

Als wir vom Boot gehen, dreht sich unser Kind noch mal um und sagt:
„Papa, können wir irgendwann wieder dahin, wo das Meer laut atmet?“
Ich nicke. Weil es die einzige richtige Antwort ist.