Correctiv vs. Anticorrectiv
AntiCorrectiv kritisiert die Praxis moderner Faktenchecks. Sie brauchen keine politische Einordnung und keine selektive Themenwahl.
AntiCorrectiv: Fakten brauchen keine politische Einordnung
In den letzten Jahren sind sogenannte Faktenchecker zu einem festen Bestandteil der Medienlandschaft geworden. Organisationen wie Correctiv prüfen Aussagen von Politikern, Medien oder aus sozialen Netzwerken und ordnen diese ein. Der Anspruch lautet, Desinformation zu bekämpfen und Orientierung zu geben.
Die Plattform AntiCorrectiv stellt genau diesen Ansatz grundsätzlich infrage.
Fakten sind keine Haltung
Nach eigener Darstellung verfolgt AntiCorrectiv ein klares Prinzip:
Ein Fakt ist ein Fakt – unabhängig davon, ob er politisch bequem oder unbequem ist.
Aus Sicht der Plattform braucht ein Faktencheck daher vor allem drei Dinge:
- überprüfbare Quellen
- vollständige Darstellung der relevanten Informationen
- eine klare Trennung zwischen Fakten und Bewertung
Was es nach diesem Verständnis nicht braucht, ist eine politische Einordnung oder ein ideologischer Rahmen.
AntiCorrectiv kritisiert, dass Faktenchecks häufig nicht nur prüfen, ob eine Aussage wahr oder falsch ist, sondern sie gleichzeitig interpretieren, kontextualisieren oder politisch einordnen. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen journalistischer Analyse und Bewertung.
Kritik an Themenauswahl
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Auswahl der Themen.
AntiCorrectiv vertritt die Position, dass Faktenchecks nur dann glaubwürdig sind, wenn sie ohne politische Selektion stattfinden. Wenn bestimmte Themen häufiger geprüft werden als andere oder wenn bestimmte politische Lager stärker im Fokus stehen, könne der Eindruck entstehen, dass Faktenchecks selbst Teil politischer Kommunikation werden.
Aus dieser Perspektive wird nicht nur das Ergebnis eines Faktenchecks relevant, sondern auch die Frage:
- Welche Behauptungen werden überhaupt überprüft?
- Welche Themen bleiben unbeachtet?
Trennung von Fakten und Meinung
Der zentrale Gedanke hinter AntiCorrectiv lässt sich einfach zusammenfassen:
Fakten sollten für sich stehen.
Ein Faktencheck sollte daher ausschließlich beantworten:
- Ist eine Aussage korrekt?
- Welche Daten und Quellen belegen das?
Fragen nach politischer Bedeutung, gesellschaftlicher Bewertung oder moralischer Einordnung gehören nach diesem Verständnis nicht zum Faktencheck selbst, sondern in Kommentare oder Meinungsbeiträge.
Fazit
AntiCorrectiv versteht sich nicht als Begleitplattform für Correctiv, sondern als grundsätzliche Kritik an der heutigen Praxis vieler Faktencheck-Formate.
Der Kern der Position lautet:
Fakten benötigen keine politische Einordnung.
Sie müssen lediglich korrekt recherchiert, vollständig dargestellt und nachvollziehbar belegt werden. Dazu gehört aber auch die neutrale Auswahl der zu prüfenden Fakten.
Alles andere – Interpretation, Bewertung oder politische Kontextualisierung – gehört in den Bereich der Meinung und sollte klar als solcher erkennbar bleiben.